Theatrales Philosophieren

Das theatrale Philosophieren ist ein unkonventionelles Verfahren zur Bedeutungseröffnung philosophischer Texte. Der Prozess des Philosophierens wird dabei nicht rein kognitiv aufgefasst. In das Philosophieren werden vielmehr auch die leiblichen Ausdrucksfähigkeiten einbezogen. Die Bedeutungsfülle eines vermeintlich abstrakten Textes wird so künstlerisch verdichtet und physisch wahrnehmbar.

Beim theatralen Philosophieren steht die Suche nach prägnanten Körperbildern, die für die aktuelle Bedeutung eines philosophischen Textes stehen, im Mittelpunkt. Dabei philosophieren die Beteiligten im Gespräch und im Rahmen theatraler Improvisationen miteinander. Bei diesem Verfahren geht es also darum, die leiblich-kreative Ausdruckskraft in das Philosophieren spielerisch einzubeziehen, um die Ideen „großer Denker“ neu zu entdecken. Das Philosophieren wird so – um es mit Peter Sloterdijk zu formulieren – zum „Abenteuer der Erkenntnis“ und nicht zum „schalen Hinterherdenken“.

Die Beteiligten riskieren sich beim theatralen Philosophieren im aktuellen und persönlichen Weiterdenken eines philosophischen Textes, indem sie eine gegenwärtig relevante Leseart suchen. Sie gestalten dadurch einen Texteröffnungsprozess, der auch ein Abenteuer im kreativen Denken ist: So weiß zu Beginn der Auseinandersetzung mit einem Text noch niemand, welche performative Bedeutungsgestalt er im Verlauf eines Arbeitsprozesses annehmen wird. Der Arbeitsprozess des theatralen Philosophierens gestaltet sich dabei immer eng am Text, denn eine Szene hat nur Bestand, wenn sie in einem nachvollziehbaren Bezug zu einem philosophischen Text steht. Das theatrale Philosophieren ermöglicht aber auch immer die Textinterpretation jenseits der (Denk-) Routine, denn wer weiß beispielsweise schon im Voraus, welche aktuellen und konkreten Bedeutungen ein Text im Rahmen einer Performance entfalten kann, wenn er an dieser Frage noch nicht gearbeitet oder eine solche Performance noch nicht erlebt hat?