Sokrates

Im Projekt Sokrates kommt. erkundete die SplitterGruppeTP im August 2010 den Kirchenraum der St. Johanniskirche in Altona, um die Verteidigungsrede des Sokrates in einer Performance lebendig werden zu lassen.

Ich weiß, dass ich nichts weiß - mit dieser Position provozierte Sokrates seine Mitbürger im antiken Athen. Er provozierte, weil er dieses Prinzip nicht nur für sich in Anspruch nahm, sondern auch seine Zeitgenossen mahnte, das eigene Wissen fundamental zu überprüfen. Auf diese Weise riss er viele Menschen aus der Lethargie ihrer Selbstzufriedenheit - doch wer überprüft schon gerne freiwillig das Fundament vermeintlicher Gewissheiten, auf dem er bequem steht?

Weil es sich so nachhaltig unbeliebt in der Stadt machte, stand Sokrates am Ende seines Lebens vor Gericht. Man warf ihm vor, Gotteslästerung zu betreiben und die Jugend zu verderben. Es ging um Leben und Tod. Seine Verteidigungsrede – die in Platons berühmter Apologie überliefert ist – gerät zum Zeugnis einer radikalen philosophischen Haltung.

Doch welche Bedeutung hat die sokratische Prüfung des eigenen Wissens heute? Welchen aktuellen Wert hat das sokratische Erbe für das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft? Lassen sich an einem Ort, an dem gegenwärtig christliche Gottesdienste gefeiert werden, auch Parallelen zwischen christlichem und philosophischem Selbstverständnis entdecken oder bleibt der antike Sokrates ein Fremdkörper in einem neogotischen Kirchenraum? - Um diese und andere Fragen nach dem Verhältnis zwischen antiker Philosophie und Gegenwart zu klären, will die SplitterGruppeTP ein Gedankenexperiment in der St. Johanniskirche realisieren und der Annahme folgen, Sokrates hätte seine Verteidigungsrede in einem Kirchenraum im Jahr 2010 gehalten.

Weitere Informationen finden Sie unterhttp://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ha&dig=2010%2F08%2F19%2Fa0194&cHash=5d0b92327f/.