Fremde/Simmel

Theatrales Philosophieren nach Georg Simmel

Was bedeutet Fremdheit für uns?
Wie erleben wir das Fremde als Spannung von Nähe und Entferntheit?
In welchem Augenblick setzt eine Entfremdung in Beziehungen ein?
Und warum verdrängen wir das Fremde in unserer unstillbaren Suche nach der Wärme der Gemeinsamkeit?

Auf der Suche nach der Bedeutung des Fremden in der Definition des Philosophen und Soziologen Georg Simmel haben sich vier theatrale Performer auf eine Insel der Reflexion zurückgezogen und philosophieren dort seit nun mehr fünf Monaten. Es besteht zwar keine innere Notwendigkeit für ihr Tun, doch in dem konstruierten Netz ihrer philosophischen Dialoge lebt es sich ganz gut auf ihrer Insel - wenn diese Idylle nur nicht immer wieder durch die einströmende Kälte der/des Fremden gestört werden würde. Lediglich der unbändigen Liebe zur Weisheit und der intensiven Suche nach zwischenmenschlicher Wärme verpflichtet, durchforsten sie intensiv Simmels Abhandlung und separieren, therapieren, verbiegen oder verknoten sich dabei. Sie tanzen, wie sie leben wollen. Sie spielen das von ihnen erfundene Gemeinsamkeitsspiel in der Hoffnung, den Fremden unter ihnen zu isolieren. Sie hoffen, die ganz große Liebe zu finden, um sich damit in der ultimative Verdrängung des Fremden zumindest für einen Moment gegenseitig zu wärmen. Doch welchen Preis müssen sie für diese konstruierte Nähe auf Kosten des Fremden zahlen?

Georg Simmel stellt sich in seinem »Exkurs über den Fremden« der Frage nach der Bedeutung des Fremden. Der Begriff wird sowohl historisch, aber auch ganz persönlich definiert: Fremdheit wird dabei im Spannungsfeld zwischen Nähe und Ferne begrifflich definiert. Der Fremde gewinnt aber auch als Händler, Richter oder erotischer Nebenbuhler eine ganz konkrete Gestalt. Der Text bildete deshalb eine ideale Grundlage und den Ausgangspunkt für die diskursive und szenische Arbeit im Workshop. In der Präsentation zeigen die Teilnehmer nun das Ergebnis dieses Arbeitsprozesses: Es darf beobachtet, zugehört, nachgedacht und diskutiert werden – ein Abenteuer ohne Trennung zwischen Kopf und Bauch. Bereits zum fünften Mal präsentiert die Projektgruppe Theatrales Philosophieren ihre Arbeit zu einem Denkabenteuer am Ernst Deutsch Theater.

Premiere: Donnerstag, 23.02.2013
Dauer: ca. 1 Stunde

Mit: Veronika Gerzen, Marius Gunst, Pune Karimi und Sarah Kay

Leitung: Dr. Christian Gefert
Assistenz: Maya Wrobel
Ausstattung: Svea Schiemann